China, Rezension / Meinung
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Verliebt in den bunten Schleier

Mehr Bilder aus der Provinz Guilin gibt es hier

Seit ungefähr Herbst des letzten Jahres habe ich einen neuen Lieblings-Film dazu gewonnen. Durch reinen Zufall bin ich eines Abends im Nachtprogramm über den Film „Der bunte Schleier“ gestolpert. Nicht wegen der großartig spannenden Geschichte, sondern wegen der atemberaubenden Landschaft bin ich hängen geblieben.

Die zweite Hälfte des Jahres 2012 hatte ich in China verbracht, wo ich immer wieder die Chance genutzt habe das Land zu bereisen. Einer der schönsten Orte, die ich dort besucht habe, war die Provinz Guilin. Die felsigen, grünen Berge und nicht enden wollenden Flüsse sind das Markenzeichen der Region. Insbesondere im Winter hängt immer ein dicker Nebelschleier über dem Wasser und hüllt einen in einen Kokon aus Nibelungen-Träumereien. Am liebsten wäre ich dort nie wieder abgereist, weil ich mich einfach in die Landschaft verliebt habe.

Der Film „Der bunte Schleier“ wurde genau in dieser Provinz von China gedreht und erzählt die Geschichte des gleichnamigen Buches nach: Doktor Fane verliebt sich unsterblich während einer seiner kurzen Aufenthalte in der Heimat. Die Frau seines Herzens, Kitty, erwidert seine Gefühle nicht, sucht jedoch verzweifelt einen Weg ihrem Elternhaus zu entkommen. Deshalb heiratet sie den Doktor dennoch und lässt sich von diesem in seine Wahlheimat Shanghai entführen. Gelangweilt beginnt Kitty nach kurzer Zeit eine Affäre mit dem Vizekonsul, die natürlich von ihrem Ehemann nicht lange unentdeckt bleibt. Deshalb stellt Doktor Fane seine Kitty vor eine Wahl: entweder der Vizekonsul lässt sich scheiden und heiratet sie oder er lässt sich wegen Ehebruch von ihr scheiden, wodurch sie in der Gesellschaft unzweifelhaft komplett abstürzen würde oder sie begleitet ihn nach Maitanfu, wo die Cholera ausgebrochen ist und er sich freiwillig als unterstützender Arzt gemeldet hat.

Anfänglich hört sich der Film nach einem langweiligem Liebesdrama in den 20er Jahren an. Doch die Landschaft in dem Film ist einfach nur atemberaubend, so dass der Film nicht an ein weiteres, unnötiges Drama à la Jane Austen erinnert. Die erzählte Geschichte zieht einen nur langsam in ihren Bann, während man die Charaktere und ihre Beweggründe langsam verstehen und lieben lernt. Insbesondere Doktor Fane, synchronisiert durch den großartigen Andreas Fröhlich, hat mich am Ende am meisten verzaubert.

Dies ist natürlich kein großer Hollywood-Streifen, der durch bahnbrechende und unvorhersehbare Überraschungen und Wendungen ein noch nie da gewesendes Filmerlebnis erschafft. Sondern es ist seichte Unterhaltung, die eine Geschichte erzählt, in der man sich gänzlich verlieren kann, wenn man es denn zulässt. Ich für meinen Teil habe mich schon mehr als einmal in der Geschichte verloren, weil der Film nicht große Gefühl verspricht, sondern einfach ein Stück Tragik des Alltags wiedergibt – auf eine sehr charmante und bodenständige Art und Weise. Deshalb bekommt er von mir auch eine klare Empfehlung. Wenn ihr also noch nach einem schönen Film für Freitag Abend auf der Couch sucht, dann ist der „Der bunte Schleier“ genau das richtige für euch.

Anbei gibt es noch einen kleinen Vorgeschmack auf den Film, der diesem noch nicht einmal ansatzweise gerecht wird.

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