Rezension / Meinung
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Gott bewahre … oder so ähnlich

Manchmal frage ich mich, wie die Kirche behaupten kann, das Gott jeden liebt, während es so viel Hass gegen anders gesinnte Menschen, wie Schwule, mit dem Glauben begründet wird. Wenn jetzt einige befürchten, dass ich hier eine Diskussion über die Kirche, Christen und alles andere anstacheln möchte, der sei beruhigt – dem ist auf keinem Fall so.

Diese Aufgabe überlasse ich lieber weit mehr talentierten Schreiberlingen, wie John Niven. Dieser hat in seinem Buch Gott bewahre seine ganz eigene Interpretation über die Bibel verewigt. Er tut dies aber auf eine wirklich charmant sarkastische Weise, dass man teilweise vor Lachen von der Couch rollen könnte, wenn man nicht aufpasst. Das ganze beginnt mit einem kurzen Angel-Urlaub Gottes. Während seiner Abwesenheit dreht die Menschheit komplett am Rad und stürzt alles ins Unheil. Allein der Kurzabriss über die verschiedenen neuen Religionsabsplitterungen der Christen, die Gott bei seiner Rückkehr von seinen Apostel zu hören bekommt, ist einfach nur Gold wert.

Da die Menschheit kurz davor steht die Erde in den absoluten Ruin zu treiben, sieht Gott keine andere Möglichkeit als Jesus erneut zu uns zu schicken und ihn den Karren aus dem Dreck ziehen zu lassen. Dass Jesus gerne mal ein Tütchen raucht, komplett auf Indie Rock abfährt und ziemlich lässig ist, hätte ich dabei eher weniger erwartet.

Seine sehr einfache Botschaft ist dabei „Seid lieb!“, die Moses damals durch künstlerischen Wahnsinn getrieben vor ein paar tausend Jahren einfach mal komplett missinterpretiert hat in seinen zehn Geboten. Außerdem hat Gott uns das Gras nicht zum Verbieten geschenkt, sondern dass wir ab und an mal in Ruhe abschalten können – das mag nur irgendwie keiner so recht verstehen. Und achja, was hier auch alle komplett in den falschen Hals bekommen haben: Gott liebt Schwuchteln – Punkt.

Für mich ist dieses Buch jedoch nicht nur Satire, sondern ebenfalls eine stille Anklage gegen all die widersprüchlichen Vorstellungen der Kirche. Sehr häufig habe ich meine eigene Vorstellung von Glauben darin wieder gefunden und viele neue Denkanstöße mitgenommen. Denn das Buch bietet nicht nur Comedy auf höchstem Niveau (wenn man Sarkasmus und schwarzen Humor versteht), sondern bewegt durch seine berührende Geschichte auch.

Für mich verbindet dieses Buch alles: tiefschwarze Komik, eine unterhaltsame und nicht vorhersehbare Geschichte, etwas Melancholie und ein für mich sehr schönes Bild von dem, was der Glaube eigentlich sein sollte. Deshalb von mir eine absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung.

Was meint ihr? Habt ihr das Buch schon gelesen? Wenn ja, was denkt ihr darüber oder wenn nicht, würdet es vielleicht doch mitnehmen, wenn ihr mal wieder in der Buchhandlung steht? Eure Meinung zu diesem doch sehr heiklem Thema würde mich brennend interessieren.

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