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Ein Blick in den Spiegel der Vergangenheit

© by Damianos Chronakis

Vor einigen Tagen habe ich mit einer Person gesprochen, die ich vor einem Jahr aus meiner Gegenwart in die Vergangenheit verbannt habe. Unsere gemeinsamen Erlebnisse haben mich gezwungen einen Schlussstrich zu ziehen. Ansonsten wäre ich zwangsläufig an unserem gemeinsamen Weg zugrunde gegangen. Das mag hart klingen und vielleicht auch unverständlich für einige sein. Aber unsere Emotionen, insbesondere wenn wir denken, dass es Liebe ist, sind nicht immer ein guter Freund und Begleiter.

Seitdem sind sehr viele Monate vergangen und ich habe mich verändert – in vielen Aspekten, weil ich es so wollte. Und in anderen, weil ich eine Leichtigkeit wieder gefunden habe, die ich lange verloren geglaubt habe. Mein Leben hat sich in vielerlei Hinsicht zu einem besseren gewandelt – aber im Hinterkopf hauste diese Person noch in den Wendungen und Wirrungen meines Unterbewusstseins. Sie war der Preis, den ich nur zu gerne für meinen inneren Frieden gezahlt habe.

Vor ein paar Tagen hat mich aber die Neugier gepackt und ich musste wissen, was aus diesem Schatten in meinem Leben geworden ist. Aus irgendeinem Grund hatte ich erwartet einen neuen Menschen vorzufinden, genauso wie ich einer geworden bin. Doch meine Erwartungen wurden innerhalb weniger Minuten Konversation zerschmettert – am anderen Ende der Leitung saß immer noch mein emotionales Monster. Lange Zeit war ich der Meinung, dass meine Erinnerungen verzerrt sein mussten, aber anscheinend spiegelten sie ein akkurateres Bild wieder, als ich es wahrhaben wollte.

Doch was sagt das über mich aus? Liebe ist ein sehr subjektiver Begriff und kann unmöglich allgemein definiert werden. Damals war ich aber der festen Überzeugung in dieser Person die große Liebe gefunden zu haben – noch nie habe ich mich so in einem Menschen getäuscht. Meine Sinne völlig zugedröhnt von Hormonen unterschiedlichster Art haben mich damals nicht das „wahre Ich“ dieser Person erkennen lassen.

Die rosa-rote Brille ist nun aber schon seit langer Zeit zerbrochen und zurück bleibt nur der bittere Nachgeschmack der ungefilterten Wahrheit. Und die Frage, was habe ich mir damals dabei gedacht? Was sagt das über mich aus, dass ich mich jemals zu so einem Mensch hingezogen gefühlt habe? Wieso habe ich damals die Warnzeichen und Warnung meiner Freunde nicht sehen oder hören wollen? Fragen, die ich wahrscheinlich niemals beantworten werden kann.

Zurück bleibt also nur der Zweifel an meinen Menschenkenntnissen … und die Überzeugung, dass eine Pause dringend nötig ist – für wie lange weiß ich jedoch noch nicht.

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