Rezension / Meinung
Schreibe einen Kommentar

Versunken in der Divergent Trilogie

Manchmal gibt es diese Bücher, die mich einfach in ihren Bann ziehen. Wenn ich einmal in ihrem Sog bin, kann ich noch so sehr versuchen gegen die Strömung anzukämpfen. Meine Gedanken verlieren sich zwischen den Zeilen und ich versinke in ihrer Welt. Dabei verschwindet die Realität um mich herum zuerst nur allmählich mit kleinen Schritten, bis Zeit und Raum für mich keine Bedeutung mehr haben. Das einzige, was in diesem Moment zählt, ist die Geschichte … und was für ein Ende sie findet.

Dabei fiebere ich mit den Charakteren mit, durchlebe ihr Leid, ihren Schmerz, aber auch ihre Freude und Hoffnung. Ihre Lebensgeschichte ist für eine Weile mein Zufluchtsort, an dem meine eigenen Gefühle keine Macht über mich haben. Und meine Probleme müssen draußen vor der Tür Platz nehmen und warten, bis ich wieder auftauche.

In der letzten Woche habe ich wieder eine Bücher-Reihe gefunden, die mir genau dieses Gefühl von Schwerelosigkeit mit ihrer eigenen Welt gegeben hat: Die Divergent Trilogie von Veronia Roth. Dabei könnte die Geschichte nicht düsterer sein. Ähnlich wie Suzanne Collins mit der Hunger Games Reihe spiegelt Divergent ein Dystopia in nicht allzu ferner Zukunft wieder. Die Gesellschaft ist unterteilt in fünf verschiedene Splittergruppen (factions) basierend auf den persönlichen Begabungen und Charakterzügen seiner Mitglieder. Mit 16 durchläuft jeder einen Eignungstest, in dem die passende Gruppe basierend auf dem Charakter bestimmt wird. Doch nicht immer liefert der Test eindeutige Ergebnisse – die Betroffenen sind divergent, eine gefährliche Einstufung in der Splittergruppen-Gesellschaft.

Veronica Roth lässt ihre Protagonistin Tris Prior von ihrem Schicksal des divergent sein erzählen. Aus Angst vor den Konsequenzen versucht Tris ihr Geheimnis um jeden Preis zu verbergen, während sie ihre eigene Splittergruppe verlässt und sich den Furchtlosen (Dauntless) anschließt. Nach und nach begreift sie, in was für einer bedrohenden Situation sie sich befindet und welches Ausmaß die Korruption der einzelnen Splittergruppen-Anführer hat. In der bevorstehenden Revolte ist es nicht immer leicht gut und böse auseinander halten zu können – und Freund und Feind zu unterscheiden. Außerdem wird es mit jeder Seite schwieriger abzuwägen, was der richtige Weg sein sollte um zurück zu schlagen.

Während es unserer Hollywood-eingeseiften Erzählwelt Gang und Gebe ist, dass es nach endlosen und verzweifelten Kämpfen ein großes Gruppenkuscheln am Ende gibt, entscheidet sich Veronica Roth für ein alternatives Ende. Das verblendete und unrealistische „20 Jahre später“-Kapitel mit Friede-Freude-Eierkuchen bleibt einem erspart … weil es einfach nicht zur Dystopia-Welt von Divergent passt. Und weil es nicht authentisch und ehrlich seinen Charakteren gegenüber wäre. Statt dessen leidet man mit den Verbliebenen und teilt ihren Schmerz über die erlittenen Verluste. Und muss genau wie sie lernen einen Weg zu finden trotz allem nach vorne zu schauen und weiter zu machen – genau wie in der Realität auch.

Auch wenn die Divergent Reihe keine leichte Kost ist, so bekommt sie von mir dennoch eine absolute Lese-Empfehlung. Weil sie zum Nachdenken anregt. Und weil sie sich gegen das Hollywood Happy End Regime wehrt – denn nicht jede Geschichte kann ein gutes Ende finden.

Hier gibt es die Divergent-Trilogie zum selber lesen  (kein sponsored Link ;)

Sag mir, was du denkst