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Die Schöne und das Biest

Höher, schneller, weiter – immer über das Ziel hinaus schießen. Wir leben in einer Welt, die einst von Perfektion und Schönheit geprägt war. Doch mittlerweile kann man damit nicht mehr auffallen – also versuchen viele, insbesondere in der Mode-Branche, durch Extreme zu schocken. Die Kampagnen werden härter und Extrem-Models sind der neueste Schrei.

Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass sich hier eine Doppel-Moral etabliert – wie in so vielen anderen Bereichen der Gesellschaft auch. Männer dürfen auffallen, Makel haben und von dem Ideal Perfektion soweit abweichen, wie sie das möchten. Männer-Models mit Bein-Protesen und Ganz-Körper-Tätowierte sind keine Seltenheiten mehr. Aber auch in der Geschäftswelt müssen Männer nicht durch Schönheit glänzen, lediglich der Anzug muss sitzen.

Doch dieses Privileg ist nur der Männerwelt vorbehalten. Frauen sind immer noch Knechte der Perfektion – immer dünner und größer müssen sie sein. Makel dürfen nur sein, wenn sie den Körper nicht entstellen – sondern die Schönheit nur noch mehr betonen. Traurigerweise zieht sich diese Doppel-Moral durch den kompletten Alltag und ist nicht nur ein Hirngespinst in der Modewelt. Während Männer unabhängig von ihrem Aussehen Erfolg haben können, so müssen Frauen nicht nur hart arbeiten, sondern dabei auch noch eine gute Figur machen. Männer können in Punkto Schönheit ihre Karriere nur weiter stärken, indem sie eine hübsche Dame an ihrer Seite haben.

Mittlerweile leben wir in einer Welt, in der sich die Frau von heute ihre Rechte hart erkämpft hat – wir sind (theoretisch) dem Mann in der Gesellschaft gleich gestellt. Dennoch haben wir es immer noch nicht geschafft uns von den Fesseln der Oberflächlichkeit zu befreien. Viel zu häufig habe ich das Gefühl, dass wir diese sogar selber noch enger straffen. Doch sollten wir nicht neben gleichen Gehältern auch für die Freiheit der Unvollkommenheit kämpfen? Uns los sagen von dem Zwang des Körperkultes und genauso wie die Männer das Recht zu Makeln in jeder Form einfordern?

Ich für meinen Teile, will nicht im harten Kampf um Erfolg auch noch meine Energie unnötig in einem Beauty-Contest verschwenden müssen. Ein gepflegtes Aussehen ist natürlich erstrebenswert – aber muss ich mich dem Zwang von vollendeter Schönheit beugen? Ich will meinen Körper nicht endlos mit einer Diät nach der nächsten quälen müssen und im Fitness-Studio jedes Mal an meine Grenzen gehen um noch 10Gramm mehr loszuwerden. Da lehne ich mich lieber zurück und werde zum Biest.

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