China, Reise-Abenteuer
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Xi’an Teil 1 – Im Kampf gegen die Armee des Kaisers

Kurz bevor ich China verlassen habe, bin ich noch einmal nach Xi’an gereist – ich wollte es mir einfach nicht nehmen lassen, die Terracotta Armee live und in Farbe zu sehen. Während meines Aufenthalt habe ich in einem echten traditionellen Courtyard-House gewohnt, das zu einem Hostel umfunktioniert wurde. Der Weg über den Innenhof morgens auf die Toilette bei Minusgraden war meist etwas kalt. Doch die Ausstattung vom QiXian war wirklich super. Außerdem habe ich noch nie in meinem Leben einen so drolligen Hund kennen gelernt wie den Hostel-Hund – die Hundedame hatte die Angewohnheit ihren Kopf unentwegt an meinem Bein zu rubbeln genau wie eine Katze, wenn ich sie gestreichelt habe. Meine Theorie ist, dass sie von Katzen groß gezogen wurde ;)

 

Da ich nur einen sehr kurzen Aufenthalt in Xi’an hatte, habe ich gleich am ersten Tag zum Bahnhof aufgemacht. Dort bin ich mit einem der offiziellen grünen Shuttle-Bus raus aus der Stadt gedüst direkt zur Terracotta Armee. Da ich im tiefsten Winter direkt vor den Neujahrs-Feiertagen unterwegs war, tummelten sich nur sehr wenige (chinesische) Touristen herum.

Die Terracotta Armee wurde in den achtziger Jahren gefunden. Wie sich herausstellte, umgaben sie das Grab des ersten Kaisers von China. Dieser hatte in einer streng geführten Regierung China vereinigt, einheitliche Maß-Systeme und Geld eingeführt und noch vieles mehr. Um diesen sehr ambitionierten Plan effizient und schnell durchsetzen zu können, hatte sich der Kaiser eine regelrechte Terror-Herrschaft aufgebaut.

Seine letzte Ruhestätte ist umgeben von diversen Gruben, in denen ihm sein „Verwaltungsapparat“ für der Nachwelt zur Seite gestellt wird. Die bekannteste Abteilung ist dabei die Terracotta Armee, die den Kaiser im Reich der Toten schützen soll. Bisher wurden drei Gruben unterschiedlicher Größe freigelegt. Mein stetiger Reisebegleiter – der Lonely Planet China – gab mir den wertvollen Tipp, die Gruben in umgekehrter Reihenfolge abzulaufen.

In der letzten Grube, Nummer drei, vermutet man, liegt die Zentrale der Armee, die das Herr von dort aus angeführt hat. Dieser Bereich wurde aber über die Zeit hinweg am meisten zerstört, so dass es auch nicht wirklich viel zu sehen gibt. In der zweitgrößten Grube, Nummer zwei, werden zur Zeit immer noch Ausgrabungen vorgenommen. Dort sieht man sehr gut den Originalzustand, in dem die Terracotta Soldaten geborgen werden. Diese wurden damals unter Matten aus Holz und Stroh begraben, die zuerst abgetragen werden müssen.

 

Die letzte Ausgrabungsstätte, Grube 1, ist am bekanntesten und auch am größten. In dieser befinden sich die Fußsoldaten und das große Herr, die als Beschützer des Kaisers dienen. Angeblich sollen sich hier über 6.000 Soldaten insgesamt befinden. Bisher hat man aber nur etwa 1.000 geborgen und wieder fein säuberlich zusammen gesetzt. Über die Jahre hinweg sind viele der Statuen zerstört worden und werden nur im Einzelteilen gefunden. Diese Stücke werden dann vorsortiert und anschließend wie ein Puzzle in mühseliger Kleinstarbeit zusammen gesetzt.

Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass ich doch etwas enttäuscht war. Man stellt sich die Terracotta Armee wahnsinnig groß vor – es wird ja immerhin mit über 6.000 Soldaten geworben. Wenn man dann aber einmal über das Gelände der Ausgrabungsstätte gelaufen ist, fragt man sich, wo der Rest ist. Es gibt ein kleines Museum, in dem die Geschichte der Ausgrabung dargestellt wird und einige historische Fakten zur Armee selber – nicht wirklich mitreißend. Was ich aber sehr interessant fand, dass jeder der Soldaten ein eigenes, individuelles Gesicht hat, das keinem der anderen Soldaten gleicht. Die Terracotta Figuren wurden also nicht wie heute in Massenproduktion hergestellt, sondern in aufwendiger Handarbeit einzeln angefertigt.

Ich würde dennoch jedem einen Besuch bei der Terracotta Armee empfehlen, aber man sollte seine Erwartungen doch etwas zurückschrauben. Auf den Bildern sieht alles so wahnsinnig groß aus, aber mehr als eine Halbtags-Beschäftigung ist die Besichtigung nicht. Was ich mich aber die ganze Zeit bei meinem Rundgang immer wieder gefragt habe, ist: Was hat dieser Kaiser nur verbrochen, dass er so viel Angst vor der Nachwelt hatte und sich eine gigantische Armee an die Seite hat stellen lassen? Denkt mal drüber nach.

Das war auch es schon mit meinem ersten Teil zu Xi’an. In der nächsten Woche geht es weiter mit einer Schilderung der beliebtesten Freizeit-Beschäftigungen der Soldaten und was Xi’an noch zu bieten hat. Bis dahin könnt ihr euch wieder die Zeit mit Bilder aus Xi’an gucken vertreiben.

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