China, Reise-Abenteuer
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Beijing Teil 3 – Abseits der Mainstream-Kultur

Neben der endlosen Geschichte des Kaisers und seiner tausenden Geliebten und Kinder hat Beijing noch vieles mehr zu bieten. Während ich in den ersten Tagen hauptsächlich die üblichen Verdächtigen unter den Sehenswürdigkeiten besucht habe, habe ich die letzten beiden Tage meines Abstecher dazu genutzt in den weniger kultur-historischen-dominierten Seiten meines Reiseführers zu stöbern.

 

Dabei war mein persönliches Highlight im Besuch im ehemaligen Olympia-Gelände und dem Bird’s Nest. Die ehemalige Sportanlage wird derzeit als sozialer Treffpunkt und Wochenend-Ausflugsziel für Jung und Alt genutzt. Der riesige Vorplatz ist kostenlos zugänglich, man muss sich lediglich einer der ewig währenden Sicherheitskontrollen in China unterziehen. Bei meinem Besuch war die gesamte Anlage in strahlenden Sonnenschein getaucht und überall tummelten sich Karamell-Künstler, Drachenverkäufer und dutzende von Familien.

Natürlich wollte ich mir einen Abstecher in das ehemalige Bird’s Nest nicht entgehen lassen. Das Stadion wurde zu einem riesigen Museum der Ereignisse in 2008 umfunktioniert: die ganze Zeit schallt dramatische Musik durch die Flure und auf riesigen Leinwänden werden die größten und gefühlsvollsten Momente der Spiele in der Endlos-Schleife gezeigt. Die Souvenir-Shops sind immer noch geöffnet und vollgestopft mit original Fanartikeln – natürlich kann man immer noch alles käuflich erwerben. Ich wurde von der Musik und Leinwand-Bilder-Show regelrecht eingelullt und hatte das Gefühl eine kleine Zeitreise zurück ins Jahr 2008 gemacht zu haben um mich dort mitten in den Spielen wieder zu finden. Beinahe hätte ich die Sportler auf der Leinwand angefeuert als ich völlig gespannt auf einem der roten Plastiksitz gefesselt der tausendsten Wiederholung folgte.

Auf dem Weg zum Stadion habe ich einen kleinen Umweg über den Dongyue Tempel gemacht, der für seine besonders morbiden Statuen bekannt ist und dessen Beschreibung in meinem Reiseführer mich neugierig gemacht hatte. In diesem Tempel werden die hunderten Abteilungen im Götterreich des Taoistischen Glaubens auf ganz besondere Art dargestellt. Jede Abteilung hat einen eigenen kleinen Abschnitt, der über und über mit Ghouls, Geistern und anderen Schreckensfiguren bevölkert ist – natürlich nicht kindergeeignet. Wer also die ewigen immer gleich aussehenden Tempel satt hat, dem kann ich nur wärmstens einen Ausflug in diesen Tempel der etwas anderen Art empfehlen.

 

Weniger pompös aber nicht weniger spektakulär fand ich meinen Besuch auf dem Wochenendflohmarkt. Der Panjiayuan Antikmarkt findet zwar die ganze Woche über statt, doch die wahren Kenner gehen nur am Samstag, wo der Flohmarkt bereits um 4.30Uhr öffnet. Wie die Wühlmäuse wird jede einzelne Kiste von Trödelspezialisten durchforstet – auf der Suche nach einer wahren Rarität zum Schnäppchenpreis. Auch wenn man keinen Schatz aus den verstaubten Boxen der Händler bergen kann, so lohnt sich ein Besuch dort dennoch auf jeden Fall – allein die obskuren Bilder, die man dort schießen kann, entschädigen einen dafür. Ich selber habe mich dort in einer riesigen Sammlung aus Aufzieh-Robotern verloren und die besten Souvenirs meiner ganzen Reise gefunden.

Wer gerne mehr das alte Beijing und seine Traditionen kennen lernen möchte, ist in den unzähligen Hutongs der Stadt sehr gut aufgehoben. Die Hutongs sind die alten Straßen der Hauptstadt, doch heute gleichen sie mehr einer schmalen Seitengasse. Die Stadt ist durchzogen mit diesen Gässchen und hinter fast jeder Abbiegung findet man sich auf einmal zwischen kleinen alten Häuschen und einem verwirrenden, endlosen Netz aus Sackgassen wieder. So bin ich mitten ins Banchang Hutong unweit der Verbotenen Stadt gestolpert. Dort verschmilzt alte Tradition mit Hipster-Geschäften, so dass man in historischer Szenerie einen Matcha-Cupcake nach einem anstrengenden Sourvenir-Streifzug durch die ausgefallenen T-Shirt und anderen Kuriositäten-Läden genießen kann – wenn man denn möchte. Auch wenn das Szene-Hutong etwas künstlich wirkt, so kann ich einen Besuch dennoch wärmstens empfehlen, insbesondere wenn man auf der Suche nach etwas ausgefalleneren Mitbringseln ist.

 

An meinem letzten Abend habe ich noch die Möglichkeit genutzt eine Peking Oper zu besuchen. Da ich etwas spät dran war, habe ich leicht-gläubig den Buchungsservice von meinem Hostel für ein Rundum-Sorglos-Paket mit Hin- und Rückfahrt genutzt. Als ich mich in einem Saal mit ausschließlich westlichen Touristen wieder fand, hatte ich den Verdacht Oper einer touristischen Massenveranstaltung geworden zu sein.

Doch auch wenn es eine keine Original Peking Oper war, so hatte das Programm durch seine Touristen-Freundlichkeit dennoch einige Vorteile. Die Vorstellung begann mit einem kurzen Einführungsvideo über die Geschichte der Peking Oper, gefolgt von ausgewählten Ausschnitten aus bekannten Opern. Dabei gab es vor jeder Szene eine kurze Zusammenfassung der Handlung und das gesamte Programm wurde durch eine englische Übersetzung auf Seiten-Monitoren begleitet. Außerdem wurde bei der Auswahl der Ausschnitte darauf geachtet, dass jeder Szenen-Typ der klassischen Peking Oper vertreten war. Ich kann jemanden nur empfehlen für seine erste Peking Oper ein etwas touristisches Programm auszuwählen, da Musik und Gesang der traditionellen Peking Oper für westliche Ohren doch meist eher schief als schön klingt und bei der ersten Sitzung nicht länger als 60 Minuten zu ertragen ist.

Das war mein letzter Eintrag zu Beijing. Habt ihr selber vielleicht noch einige Tipps oder Erlebnisse aus der chinesischen Hauptstadt? Wenn ja, würde ich mich über eure Geschichten in den Kommentaren freuen. Demnächst geht es dann hier weiter mit meiner Reise nach Xi’an, der Heimatstadt der Terracotta Armee. Wer nicht warten kann, findet in meinem Flickr Album dazu schon einen kleinen Vorgeschmack.

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