China, Reise-Abenteuer
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Beijing Teil 2 – Auf den Spuren des Kaisers

Neben der chinesischen Mauer gibt es in Beijing noch eine ganze Reihe von weiteren Sehenswürdigkeiten – die bekannteste ist wahrscheinlich die verbotene Stadt. Diese war die frühere Haupt-Residenz des regierenden Kaisers. Der Name der Stadt entstand aus der Geschichte heraus – früher wurden unautorisierte Besuche im Palast sofort mit dem Tod bestraft. Dies war bis 1911 der Fall, als der letzte Kaiser hier noch lebte. Aber nach der Revolution wurden 1924 die Tore für die Öffentlichkeit geöffnet.

 

Der ehemalige Palast erstreckt sich auf einer gigantischen Fläche und hatte für mich eher den Charakter von einer Reihe nicht enden wollender Museen. Neben den Hauptquartieren des Kaisers kann man viele weitere Schätze aus der chinesischen Geschichte bestaunen. Es gibt Unmengen von kleineren Ausstellungen, die sich bestimmten Themen oder Epochen widmen und meist extra Eintritt kosten. Ich war aber schon von den normalen Ausstellungen im Palast völlig überwältigt. Hinter jeder Abbiegung lauerte eine neue Drachen-Skulptur, wichtige geschichtliche Artefakte aus den letzten Jahrhunderten oder eine abenteuerliche Mini-Ausstellung zur Kommunikation im zweiten Weltkrieg.

Mein Besuch dort war lediglich ein guten halben Tag lang – ich hätte mich aber dort problemlos auch mehrere Tage aufhalten können und hätte immer noch nicht alles gesehen. Dennoch war ich bereits nach dieser kurzen Zeit wie erschlagen von Eindrücken und neuen Informationen zu allen möglichen Themen. Außerdem war ich erstaunt wie viel Platz so ein kleiner chinesischer Kaiser für sich beanspruchte. Ich hätte mich damals auf dem Weg zur Toilette grundsätzlich verlaufen.

Die verbotene Stadt ist aber nur eine der vielen Aufenthaltsorte des Kaisers in Beijing gewesen. Er verfügte zusätzlich über eine ganze Reihe von Nebenresidenzen oder Tempeln, in denen er zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr residierte. Während der heißen Monate im Sommer zogen sich der Kaiser und seine Geliebten in den Sommerpalast zurück. Dieser liegt am äußersten Rand der Stadt.

 

Ich hatte während meines Besuchs im Sommerpalast leider extrem schlechtes Wetter. Die gesamte Sommerresidenz war in eine riesige Nebelwolke gehüllt, die sich mit Smog und dem aufsteigenden Dampf des angrenzenden Sees vermischte. Deshalb sieht mein klassischer Schnappschuss vom Sommerpalast auch etwas grau und leicht dreckig aus. Mich hat bei meinem Besuch dort aber vielmehr der ewige Korridor beeindruckt. In diesem marschierte der Kaiser immer rauf und runter, wenn er über wichtige Staatsgeschäfte und anderes philosophierte, beinahe wie in einem Kreuzgang bei uns im Mittelalter.

Der Sommerpalast ist auf einem Hügel erbaut und ein Besuch ist daher eine gute sportliche Aktivität, wenn man die überfüllte UBahn in Beijing satt hat. Wenn man das Hauptgebäude besichtigen möchte, muss man einen sehr steilen Treppenaufstieg auf sich nehmen. Da die Sicht aber an meinem Besuchstag leider sehr begrenzt war, hat sich die quälende Bezwingung der Treppen nicht wirklich für mich gelohnt. Deshalb habe ich mir bei meiner Rückkehr von der Sommerresidenz in die Stadt eine Bootsfahrt Richtung UBahn gegönnt. Der Sommerpalast wurde früher nämlich hauptsächlich auf dem Seeweg erreicht, da die Stadt und das Gebiet um den Sommerpalast herum mit unzähligen kleinen Flüssen durchzogen sind. Heutzutage werden die Wasserwege aber nur noch für Touristenzwecke genutzt und man kann jederzeit mit einem Drachenboot an sein Wunschziel gelangen – vorausgesetzt es ist an das venezianische Wassersystem in Beijing angeschlossen.

Die letzte Kaiserunterkunft, die ich mir angeschaut habe, war der Himmelstempel. Der Tempel selber war kein direkter Schlafplatz des Kaisers. Dort wurde eher für die kommenden Ernten gebetet und die Götter ersucht das Land reichlich zu segnen und die Sünden der Menschen zu vergeben. Da blau die Farbe des Himmels ist, wurde der Tempel  passender Weise auch in blau gestrichen. Ob die Originalfarbe auch so extrem war wie der heutige Anstrich, kann ich aber nicht sagen.

 

Der Tempel liegt mitten in einem riesigen Park, der zu dem ewigen Smog in der Stadt eine nette Abwechslung bietet. Seine Architektur spiegelt die alten, chinesischen Glaubensvorstellungen von Himmel und Erde wieder. Der Tempel, welcher rund ist, soll die Götter repräsentieren. Die Heimat der Götter, der Himmel, war dem chinesischen Glauben nach rund. Die Erde hingegen war aber eckig, weshalb der Park rund um den Tempel eine rechteckige Form hat. Von oben sieht es für die Götter dann so aus, als wären sie der Mittelpunkt der Welt.

Neben dem Tempel befinden sich im Park noch weitere Einrichtungen, wie die Fasten-Residenz des Kaisers. Während der Kaiser für eine reiche Ernte betete, hielt er eine strenge Fastenzeit. Für diese lebte er extra in einem (für seine Verhältnisse) einfach gehaltenem Quartier um seinen Geist zu reinigen. Diese Sehenswürdigkeit wird selten in den Reiseführern aufgeführt und ich bin auch eher durch Zufall bei meinem Spaziergang durch den Park darüber gestolpert. Die Anlage ist bedeutend kleiner als die verbotene Stadt, bot aber meiner Meinung nach für die damalige Zeit immer noch eine luxuriöse Unterkunft. Laut Touristen-Tafeln kam die Einfachheit der Unterkunft beispielsweise durch die nicht vergoldeten Löschkübel und kleinen Schlafgemächer zum Ausdruck – aha.

Neben den hier aufgezählten Tempeln und Palästen gibt es in Beijing noch unzählige weitere Unterkünfte des Kaisers, seiner Kinder und Geliebten. Da ich aber nicht unbegrenzt in Beijing bleiben konnte, habe ich mir diese drei heraus gesucht und fand dabei die Unterschiede doch sehr beachtlich. Ich denke, dass die Ausstattung in allen drei Anlagen immer noch über dem Durchschnitt lagen, aber trotzdem würde ich heute nur ungern in die verbotene Stadt oder eine andere ehemalige Kaiserresidenz ziehen wollen.

In meinem nächsten und letzten Teil über Beijing geht es weiter mit meinen Erlebnissen jenseits der geschichtlichen Kultureinrichtungen. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch die Zeit bis dahin mit Bilder auf Flickr gucken vertreiben um bereits einen kleinen vorab Eindruck zu bekommen.

 

1 Kommentare

  1. James Bond sagt

    Filmtipp am Rande:
    Der letzte Kaiser
    Toller Film über (wenig überraschend – bei dem Titel…) den letzten Kaiser von China, seine Jugend in der verbotenen Stadt und sein späteres, durchaus tragisches Leben als Marionette Chinas und Japans.

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