Rezension / Meinung
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Alptraum in Rubinrot

© by Tina Hsu

Vor etwa zwei Wochen war ich im Kino und habe mir den Film „Rubinrot“ angesehen. Nachdem ich den Trailer das erste Mal im Fernsehen gesehen hatte, war ich beinahe schon versessen darauf den Film zu schauen, da ich ein großer Liebhaber der Bücher bin – ich habe eine große Schwäche für Jugendliteratur mit großem Romantik-Kino.

Der Trailer ließ bereits vermuten, dass die Schauspielkunst in diesem Film nicht ganz so berauschend sein wird. Aber da ich von den Büchern sehr angetan war, war ich bereit über solche Dinge hinweg zu schauen, wenn die Geschichte möglichst originalgetreu nacherzählt wird. Für mich gibt es nichts schlimmeres, wenn auf Bücher basierende Filme nur den roten Faden aufnehmen und dann eine völlig eigenständige Geschichte entwickeln. Dann ist es meiner Meinung nach besser von vornherein eine autonome Geschichte zu erzählen und nicht einen Bestseller für Werbezwecke zu missbrauchen.

Leider war dies bei Rubinrot jedoch der Fall. Bei Beginn der Dreharbeiten war bisher nur das erste Buch der Trilogie erschienen. Daher war für die Drehbuchautorin nicht erkenntlich, was für ein Ende die Geschichte nehmen würde. Während sie der Meinung war, dass diverse Charaktere und Handlungsstränge wegen der Länge gekürzt werden müssen, hatte sie dennoch genug Zeit gehabt nach der Hälfte des Films ein völlig frei erfundenes Ende zusammen zu basteln. Dabei fiel die Spannungskurve zum Ende des Films hin immer weiter ab und wirkte mehr verworren als alles andere. Beispielsweise – während in der einen Szene die Heldin noch in höchster Lebensgefahr schwebt, kann sie bereits in der nächsten Sequenz mit ihrem Schwarm auf einen Schulball gehen.

Der Film folgt auch nicht der Chronologie der Bücher. Die Szenen wurden willkürlich und für mich ohne erkenntlichen Grund komplett neu arrangiert. Das konfuse und zusammenhangslose Ende machte es mir sehr schwierig dem roten Faden der Geschichte folgen zu können. Auch für meine Begleitung, die die Bücher vorher nicht gelesen hatte, wirkte der Film verwirrend und ohne gerade Linie.

Viele innere Monologe der Protagonistin wurden im Film nicht aussagekräftig dargestellt oder überhaupt nicht aufgegriffen. Außerdem gab es eine Reihe von Rückblicken im Buch, die im Film völlig außer Acht gelassen wurden. Die Begründung der Filmemacher hierfür war, dass man diese Aspekte nicht ausreichend gut darstellen konnte. Meiner Meinung nach, hätte man hier sehr gut einer Voice Over oder Flashbacks arbeiten können.

Als letztes Desaster des Films seien hier noch die Spezial-Effekte genannt. Diese waren qualitativ mehr als unterirdisch – hier habe ich klar das sehr knapp bemessene Budget des Films zu spüren bekommen. Nachdem ich gelesen habe, dass dieser Streifen in nur 42 Tagen gedreht wurde, überrascht mich die unterragende Leistung der Schauspieler und der Technik auch nicht weiter. Obwohl ich es sehr begrüße, dass Literatur-Verfilmungen in diesem Fall nicht in amerikanische Hände gegeben wurde, so gibt es von mir trotzdem die klare Empfehlung sich bei der Kinofilm-Auswahl doch lieber für eine Alternative zu entscheiden.

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