Rezension / Meinung
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Tatort: Münster

© by ollily

Ein Münsteraner kommt nicht nur mit dem obligatorischen Fahrrad zur Welt, sondern hat auch von Geburt an eine tiefgreifende Liebe zum heimatverbundenen Tatort. Ich bin nun schon seit fast einem Jahr Wahl-Münsteraner – und in all dieser Zeit habe ich es wundersamer Weise nicht ein einziges Mal geschafft mir einen Münsteraner Tatort anzuschauen. Zusätzlich bin ich auch noch Nicht-Fahrrad-Fahrer, von daher ist es beinahe ein Wunder, dass ich bisher noch nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. 

Um der Gefahr einer Zwangs-Abschiebung aus meiner Wahlheimat zu entkommen, habe ich trotz Winter und Wetter gestern den Weg ins Kino gewagt. Dort wurde in nicht weniger als vier Kinosälen eine Vor-Premiere des neuen Münsteraner Tatorts gezeigt, der diesen Sonntag erstausgestrahlt wird. Im erbitterten Kampf um die begehrten Tickets ist es mir gelungen noch zwei Plätze in den vorderen Rängen der Spätvorstellung zu ergattern.

Vor Beginn der Vorstellung habe ich stark daran gezweifelt, dass ein Programm des öffentlichen, rechtlichen Rundfunks wirklich die Gefahr einer Nackenstarre – dank der dritten Reihe – rechtfertigt. Doch die darauffolgenden neunzig Minuten zogen mich regelrecht in ihren Bann und haben mich alle Nackenverspannungen vergessen lassen.

Die Geschichte in „Summ, Summ, Summ“ mag vielleicht nicht die Spannungskurve und glorreichen Animationen manch beliebter Hollywood-Detektiv-Klassiker haben. Ganz in Münsteraner Manier bekämpft der Hauptkommissar Thiel mit seinem Fahrrad im beschaulichen Münster das Verbrechen, während sein Kollege und Rechtsmediziner Boerne ihn mit sarkastisch-eloquenten Kommentaren auf bereits aufgespürte Fährten hinweist.

Die beiden Ermittler überzeugen durch charmant-humoristische Schlagabtausche und ziehen die Zuschauer auch ohne James-Bond-Geheimausrüstung in ihren Bann. Außerdem habe ich als Münsteraner den Luxus genossen meiner Begleitung immer wieder „ahh da war ich schon!!“ ins Ohr säuseln zu können. Beinahe im fünf Minuten Takt habe ich meine Vermutungen über den Tatverdächtigen geändert, nur um dann am Ende völlig überrumpelt zu werden von der Identität des wahren Mörders. Die Schreiberlinge des Münsteraner Tatort verstehen es ihr Publikum um den Finger zu wickeln. Sie stricken ein Netz aus verschiedenen Handlungssträngen, die sich am Ende wie ein Puzzle perfekt zusammenfügen, ohne dass der Zuschauer den roten Faden verliert.

Als Neu-Münsteraner blieb mir daher gar nichts anderes übrig als Thiel & Boerne völlig zu verfallen und zu den besten Tatort-Ermittlern der Weltgeschichte zu krönen. Deshalb von mir die Empfehlung:

Diesen Sonntag, 24.03.2013, um 20:15 auf ARD den neuen Münsteraner Tatort gucken

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