China, Reise-Abenteuer
Schreibe einen Kommentar

Beijing Teil 1 – Ich bezwinge die Chinesische Mauer

Wenn ich ehrlich bin, bin ich nur nach Beijing (Peking) gefahren, weil ich unbedingt die chinesische Mauer sehen wollte. Dabei war allein reisen eigentlich nur Plan C gewesen. Aber bereits nach einem Monat sind fast alle meiner Bekannten schon nach Beijing gepilgert und der Herbst/Winter rückte immer näher – dieser kann in Beijing ein wirklich unangenehmer Reisebegleiter werden. Da ich ungern im tiefsten Schnee die Chinesische Mauer bezwingen wollte, habe ich Ende Oktober also spontan ein Ticket für den Schnellzug nach Beijing gebucht um für eine Woche die Hauptstadt unsicher zu machen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht wirklich ein spontaner Mensch bin. Deshalb war ich selber sehr von mir überrascht, dass ich drei Tage vor Abreise erst meine Reise geplant hatte. Die einzigen Vorbereitungen, die ich wirklich getroffen hatte, war einen Reiseführer zu besorgen und ein Hostel zu buchen.

Ohne wirklich viel über Beijing zu wissen, hatte ich nichtsdestotrotz ein glückliches Händchen bei der Wahl meines Nachtquartiers bewiesen: mitten in der Stadt, direkt neben der verbotenen Stadt und dazu nur 300Meter von der interessantesten Essen-Straße entfernt, die ich je gesehen habe. Diese musste ich natürlich an meinem ersten Abend erst einmal gründlich erkunden. Neben den normalen chinesischen Spezialitäten konnte man dort auch Krabben in jeglicher Form probieren, Spinnen, Kakerlaken, Seesterne, Schlangen und vieles mehr (manchmal war ich mir noch nicht einmal wirklich sicher, was für eine Art Tier frittiert und angeboten wurde). Da mein Magen jedoch eher zart besaitet ist, habe ich lediglich einige Jaozi (chinesische Maultaschen) probiert, bei denen ich vermutet hatte, dass sie aufgrund ihres gestreiften Campino-Outfits süß gefüllt sind. Zu meinem Leidwesen offenbarte sich die Füllung aber als Krabbenfleisch. Da anscheinend weder Farbe noch Form wirklich ein Hinweis für Geschmack und Konsistenz des Essens waren, hatte ich mich dann dazu entschlossen von weiteren Essen-Experimenten auf dieser Straße abzusehen.

Meinen ersten Tag in Beijing hatte ich fest dafür verplant um meinem Herzenswunsch nachzugehen und die Chinesische Mauer zu erklimmen. Da ich den riesigen Touristenmassen aus dem Weg gehen wollte, hatte ich mich für eine Tour zum weit entferntesten Stück (von Beijing aus) namens Jinshanling entschieden. Dafür musste ich eine 3-stündige Busfahrt auf mich nehmen, die auch noch morgens um sechs Uhr früh startete – ich bin morgens weder ansprechbar noch sonst in irgendeiner sozialen Art genießbar.

Während ich mich morgens auf der Busfahrt noch selber verflucht habe, war nach dem Besteigen der Stufen auf den ersten Mauer-Abschnitt all meine Wut auf mich selbst verflogen. Der erste Blick auf die scheinbar endlose Mauer ist einfach nur mit „atemberaubend“ zu beschreiben. Natürlich kannte ich die Mauer bereits aus vielen Bildern, aber trotzdem hatte ich mir sie nicht so mächtig vorgestellt. Jinshanling wird außerdem aufgrund seiner Abgeschiedenheit nur von wenigen Touristen aufgesucht, so dass man beinahe mit der Mauer und sich selbst ganz allein ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen der Mauer, ist Jinshanling noch nicht saniert worden. Dadurch sind viele Treppen noch sehr uneben und ein Rundgang über die Mauer ist alles andere als ein kleiner Spaziergang. Ich war einer der wenigen, die sich dagegen entschieden hatte, mit der Seilbahn hinauf zu fahren. Deshalb war ich bereits beim Betreten der Mauer schon sehr geschafft vom Aufstieg und das Wandern auf der Mauer selbst hat mich doch näher an meine persönlichen Grenzen gebracht, als mir lieb war. Glücklicherweise hatte ich bereits beim Besteigen der Mauer einen sehr netten Niederländer kennen gelernt. Dieser hat sich sehr rührend immer wieder nach meinem Befinden erkundigt und mich teilweise buchstäblich über die Mauer gezerrt, wenn meine Kräfte mal wieder nachließen. Obwohl ich teilweise der tiefsten Überzeugung war, dass ich keinen weiteren Schritt tun kann, bin ich schon ein bisschen stolz auf mich, dass ich es geschafft habe den kompletten Abschnitt der Mauer in Jinshanling abzulaufen. Es gab immer wieder Punkte auf meiner Wanderung, wo ich daran gezweifelt habe, ob ich das wirklich schaffen würde. Zum Glück wurde ich nicht nur von meinem Niederländer angefeuert, sondern die Sonne stand mir als stetiger Motivator ebenfalls zur Seite. Eigentlich hatte ich bittere Kälte und Schnee erwartet und mir deshalb vorher noch eine extradicke Winterjacke besorgt. Am Ende war diese jedoch nur zusätzlicher Ballast und ich hätte meine Jeans gerne gegen ein paar Wander-Shorts eingetauscht.

Die Schönheit der Aussicht und die schiere Größe der Mauer allein lassen sich nicht in Worte fassen – deshalb möchte ich es hier auch gar nicht erst versuchen. Dieser Ausflug war auf jeden Fall einer der spektakulärsten in meiner gesamten Zeit in China und deshalb kann ich nur jedem empfehlen, die Chinesische Mauer zu besuchen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet – ihr werdet es auf keinen Fall bereuen. Wenn sich mir noch einmal die Möglichkeit bietet, werde ich auf jeden Fall die Chinesische Mauer noch einmal bezwingen.

So viel zu meiner ersten Zeit in Beijing. Im nächsten Teil geht es weiter mit der Verbotenen Stadt und den schönsten Tempeln Beijings. Wer sich die Wartezeit gerne mit Bilder gucken vertreiben möchte, findet hier noch weitere Schnappschüsse von der Mauer und Beijing.

Sag mir, was du denkst