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3 Jahre Studium, eine Zwischen-Bilanz

Nach drei Jahren Studium habe ich bisher in fünf verschiedenen Städten gewohnt, fünf verschiedene WGs durchgemacht, bei insgesamt drei unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet und an zwei verschiedenen Universitäten studiert. Wem sich jetzt der Kopf dreht, der kann sich vielleicht ansatzweise vorstellen wie ich mich fühle.

Ich gehöre einer neuen Karriere-geilen Generation an, die um die Welt jetted und immer flexibel ist, zu jeder Zeit voll einsatzbereit und so gut wie immer auf dem Sprung ist. Während dies ein Traum für jeden Arbeitgeber ist, ist dieser Lebensstil doch für mich in den letzten Monaten immer mehr zu meiner persönlichen Hölle geworden. Ich werde nachts von Panik-Attacken geplagt, wenn ich wieder einmal in einem neuen Bett aufwache, lebe immer aus dem Koffer, habe tausende von Bekannten, aber keine wirklichen Freunde. Außerdem lebe ich in der ewigen Angst in meiner neuen „Wahlheimat“ nicht rechtzeitig eine neue Wohnung zu finden und am Ende eventuell auf der Straße zu sitzen. Auch wenn es sich einige nicht vorstellen können, so bin ich doch nur sehr selten nicht von Existenz-Angst geplagt, weil ich nie weiß, was mich in der nächsten Stadt erwartet.

Viele kennen wahrscheinlich die Pyramide der Bedürfnisse nach Maslow: in der untersten Stufe befinden sich die körperlichen Bedürfnisse wie Schlafen, Essen, etc. während an der Spitze die Selbstverwirklichung steht. Um überhaupt über die zweite Stufe, Sicherheit, hinaus zu kommen, benötigt man ein Dach über dem Kopf, eine Sache, die für mich in den nächsten Monaten nicht immer unbedingt 100% sicher gestellt ist. Während mein Studium mit all seinen Erlebnissen und Reisen eine Selbstverwirklichung für mich darstellen soll, so vegetiere ich doch immer irgendwo zwischen Keller und Erdgeschoss bei Maslow und bin so gefangen in meinem eigenen Gefängnis der Möglichkeiten und schaffe es doch nie bis an die Spitze.

So manch einer hat mich immer wieder um meinen Lebensstil beneidet und würde auch gerne so wie ich die Welt bereisen und nie länger als ein halbes Jahr an einem Ort bleiben. Doch der Glanz ist nur oberflächlich, weil man nie die Möglichkeit hat, sich wirklich etwas aufzubauen. Immer ist man die Neue, die keinen kennt und (wieder einmal) neue Freunde sucht, wobei die eigene Vorstellung schon beinahe eine zu gut einstudierte Kür darstellt, die gekünstelt und arrogant wirkt. Niemals lernt man jemanden gut genug kennen um auch nur an das Wort Liebe überhaupt zu denken, denn bevor man irgendwelche Gefühle verspüren kann, wird man schon wieder weggerissen und erlebt zum gefühlten hundertsten Mal eine schmerzliche Trennung. Nach einiger Zeit hat man das Gefühl, dass das eigene Herz nur noch eine leere Hülle ist, die so oft gebrochen wurde, dass sie irreparabel geworden ist.

Während andere sich meinen „glamourösen“ Lebensstil wünschen würden, kann ich kaum noch den Tag erwarten, an dem ich mir endlich eigene Möbel kaufen werde und an einem Ort nieder lasse, an dem ich nicht nur Bekannte haben werde, sondern echte Freunde, nicht immer nach dem Weg fragen muss, sondern die Stadtkarte irgendwo im Schrank vergraben kann und endlich das Gefühl haben werde irgendwo angekommen zu sein und nicht nur auf der Durchreise.

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