Sommer
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Home, sweet Home

Seit ich letztes Jahr im August aus Hamburg weggezogen bin, hatte ich bisher keinen einzigen Fuß mehr in diese Stadt gesetzt, obwohl es immer wieder geplant war. Entweder hielt mich das Uni-Arbeitspensum von meinen Plänen ab oder ein gebrochenes Herz.
Da ich trotz teils schönem Wetter mich immer noch nicht recht heimisch fühle in Stuttgart, musste ich endlich an diesem Wochenende einmal dieser Stadt entfliehen und an einen Ort flüchten, in dem ich mich daheim und wohler fühle. Da blieb für mich nur eine einzige Wahl: Hamburg! Und da ich eine wunderbare Freundin in Hamburg habe, die für allen spontanen Blödsinn zu haben ist, habe ich vor zwei Wochen kurzerhand den Entschluss gefasst, sie wieder einmal zu besuchen.
Obwohl ich einige Startschwierigkeiten hatte in die Stadt zu kommen (weil meine Mitfahrgelegenheit mir eine Stunde vor Abfahrt abgesagt hat), bin ich mit sehr viel Glück (dank freiem WLan im Starbucks und neuer Mitfahrgelegenheit) nur eine Stunde später in Hamburg angekommen als geplant. Bereits in der SBahn auf dem Weg zu meiner Freundin überkam mich dieses Gefühl von endlich irgendwo angekommen sein und einer gewissen Erleichterung. Ich habe in den letzten Monaten gar nicht gemerkt, wie sehr ich diese Stadt vermisst habe und wie heimisch ich mich dort immer noch fühle, obwohl ich schon länger nicht mehr dort war.

Wandsbek Markt

Am Samstag ging nach ewigem Ausschlafen erst einmal auf der Hamburger Flohmarkt in der Sternschanze. Am liebsten hätte ich ein komplettes Gartenmöbel-Set mitgenommen, aber leider war mein Gepäck durch eine kleine, pinke Sporttasche beschränkt. Also blieb es doch nur bei ein paar alten Stickern und zwei alten Münzen. Nach einem Veggie-Meal im Anschluss zum Flohmarkt haben meine Freundin Julia und ich den Abend mit etwas shoppen ausklingen lassen und sind bei New Moon auf ihrer Schlafcouch eingeschlafen (ich zumindest).

Weil Julia und ich es am Samstag sehr ruhig haben angehen lassen, wollten wir das tolle Wetter am Sonntag voll ausnutzen. Es ging morgens um zehn los mit einem nicht endenden wollenden Spaziergang immer entlang am Alster-Kanal bis hin zur Außenalster. Nach über zwei-einhalb Stunden laufen, haben wir an einem kleinen Bootssteg uns ein Stück Blaubeerkuchen und Fritz naturtrübe Apfelschorle gegönnt. Da der Bootssteg nicht nur formidablen Blaubeerkuchen zu bieten hatte, sondern auch Tretboote, haben wir beiden uns direkt im Nachgang zum Kuchen für eine Stunde ein Tretboot gemietet und sind im Kreis einmal um die Außenalster rum. Und wir beiden wären nicht wir gewesen, wenn wir nicht mitten auf der Außenalster in eine Foto-Manie verfallen wären und uns in allen Posen im Tretboot abgelichtet hätten.

Am Abend ging es in typischer Hamburger Manier ins Musical, denn ich hatte spontan noch zwei Karten für „Ich war noch niemals in New York“ aufgabeln können. Das Musical basiert ja auf den Liedern von Udo Jürgens (wie: Ich war noch niemals in New York, Aber bitte mit Sahne, Grüße aus der Hölle, Griechischer Wein und tausend anderen) und ich hatte schräg hinter mir eine halbe Fankurve aus drei älteren Pärchen sitzen, bei denen die Männer immer beschwingt mitgesungen haben, was wider allen Erwartungen sehr unterhaltsam war.

Am Montagmorgen stellte sich dann beim Packen meiner Tasche wieder eine leichte Melancholie ein, da mir das Wochenende wie ein paar Sekunden vorgekommen war und ich überhaupt nicht in die Überstunden-Hauptstadt Stuttgart zurückkehren wollte. Da meine Mitfahrgelegenheit von Ohlsdorf aus startete, nutzen Julia und ich die Gelegenheit uns einmal den riesigen Friedhof dort anzuschauen, der eher einem riesigen Park mit gelegentlichen Grabsteinen als einem Friedhof glich. Da es morgens geregnet hatte und der Himmel immer noch wolkenverhangen war, sind wir in einer leicht drückenden aber überaus entspannten Stimmung durch den Park geschlendert und haben die völlige Ruhe und Gelassenheit um uns herum genossen.

Auf diesem Tripp ist mir wieder einmal bewusst geworden, dass ich niemals in meinem Leben in Stuttgart bleiben will, weil sich hier einfach kein Gefühl von „nach Hause kommen“ bei mir einstellen will, wie ich nach nur 3 Minuten SBahn fahren in Hamburg hatte. Ich habe einfach mein Herz an diese Stadt verloren und merke immer wieder, wie ein magisches Band mich in diese Stadt zieht. Obwohl dort mein Herz gebrochen wie noch nirgends anders auf dieser Welt, habe ich dort dieses unersetzliche Gefühl von „hier bin ich Mensch, hier kann ich sein“, welches mir diese Gewissheit gibt: Ich komme wieder!

1 Kommentare

  1. Tobi sagt

    Ich kenne das Gefühl von Stuttgart nach Hamburg zurück zu kommen, leider auch nur zum Urlaub machen, Hamburg ist einfach eine wunderbare Stadt und in Stuttgart bin ich persönlich auch nach mehr als 4 Jahren noch nicht heimisch geworden.

    Deshalb will ich so bald sich die Situation ergibt unbedingt wieder in den Norden, aber leider wird die Situation sicher noch 1 bis 2 Jahre so bleiben, aber ich habe ein Ziel vor Augen, wieder zurück in meine geliebte Hansestadt zu gehen, die mir viel schönes aber auch viel schlechtes gegeben hat.

    Ich liebe Hamburg und kann denke ich viele deiner Gedankengänge nachvollziehen. Schöner Beitrag hat mir den Tag verschönert, danke.

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