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Geschichten, die das Leben schreibt …

… und einfach mal geblogged gehören, gibt es selten. Aber genau so eine Begebenheit ist mir letztes Wochenende passiert. Hier also eine Geschichte, die einfach erzählt und gelesen werden muss:

Ich bin nun schon seit über zwei Monaten in Stuttgart und muss ganz ehrlich sagen, dass ich mit dieser Stadt noch nicht so recht warm geworden bin. Die Einheimischen sind weniger kontaktfreudiger als mein lieb gewonnen Hamburger. Also dachte ich mir letztes Wochenende, dass ich endlich mal in die Offensive gehen muss, wenn ich in dieser Stadt nicht allein versauern möchte.
So kam es also, dass ich letztes Wochenende den Entschluss fasste völlig allein abends wegzugehen. Als Ausgangsziel hatte ich mir einen Hip Hop Nachtclub mitten im Stadtzentrum ausgesucht, der einen halbwegs sympathischen Eindruck auf seiner Internetseite vermittelte.
Ich traf etwa gegen Mitternacht im Club ein und war zusammen mit drei Teenagern und drei völlig miss-platzierten Mittvierzigern der einzige Gast im Club. Da wäre ich am liebsten wieder rückwärts zur Tür raus, wollte aber auch nicht wieder daheim allein vor dem Fernseher hängen. Also entschloss ich auf bessere Zeiten zu warten.
Nach einigen einseitigen (nicht von meiner Seite) Flirtversuchen von mysteriösen Männern mit Sonnenbrille und sehr dürftigen Englisch-Kenntnissen, wurde ich von einem sympathisch wirkenden Amerikaner angesprochen. Er stellte sich mir als Billy vor und erzählte mir, dass er zurzeit auf einer Mission in Deutschland ist und in einer Woche von hier für 18 Monate nach Afghanistan verschippt wird.
Da er laut eigener Aussage kein großer Tänzer war, haben wir uns umringt von rummachenden Pärchen oder auch nicht-Pärchen in einer Sitzlounge unterhalten. Er erzählte mir stolz von seiner Familie, dass sein Dad ein US Marine gewesen war und er mit altmodischen Werten ausgewachsen ist wie Respekt für Frauen und einem Beschützer-Instinkt. Er machte einen wirklich netten und halbwegs anständigen Eindruck, nur ließ er im Laufe des Abends immer wieder durchschimmern, dass er nichts dagegen hätte, wenn ich ihn auf sein Hotelzimmer begleiten würde. Immerhin sei er in einer fremden Stadt, er kennt die Landessprache nicht und weiß nicht, was er dem Taxi-Fahrer auf der Heimfahrt sagen soll, wohin er will. Und wenn ich ihn schon einmal zu seinem Hotel begleitet hatte, könnte ich auch gleich da bleiben.
Da es mittlerweile doch schon recht spät war und ich ihn dann nun doch nicht sooo sympathisch fand, habe ich sein Angebot dankend abgelehnt und meinte zum ihm, dass wir gerne nächste Woche etwas zusammen machen könnten. Das englische Kino in der Stadt war direkt die Ecke von seinem Hotel oder ich meinte, wir könnten auch was trinken gehen. Da er kein deutsches Handy hatte, haben wir unsere Facebook-Namen ausgetauscht und er meinte, er wird sich in den nächsten Tagen bei mir melden.

Sonntagabend surfte ich dann etwas auf Facebook und begab mich auf die Suche nach Billy. Nach sehr kurzer Suche schickte ich ihm eine Freundschaftsanfrage und eine kurze Nachricht, in der ich ihn fragte, ob er noch gut nach Hause gekommen ist und er soll sich melden, wenn er diese Woche etwas machen wollte.
Nur ungefähr 15 Minuten später erhielt ich auf einmal eine sehr interessante Nachricht auf Facebook von einer Breanna, die ich bis dato noch nicht kannte, die mir aber eine sehr nette Nachricht zukommen ließ:

„who the fuck are you and why the fuck are you asking my boyfriend if he got home ok last night & asking hi[m] to fucking watch a movie with you near his hotel “

Etwas irritiert von dieser Nachricht antwortete ich der vermeintlichen Freundin, dass, wenn ich mich irre, ihr Freund MICH letzte Nacht angebaggert hat (und nicht andersherum) und ich sein Angebot ihn auf sein Hotelzimmer zu begleiten, dankend abgelehnt hatte, aber wir gerne diese Woche etwas zusammen unternehmen können.
Nachdem sie schnippisch nach dem Namen von Billys Hotel fragte, wurde ich in einem sehr „freundlichen Ton gebeten“ mich doch von Billy fern zu halten. Ich wisse ja jetzt, dass er eine Freundin hat. Auf diese Nachricht hin ist mir eine Sicherung durchgebrannt. Ich konnte es nicht glauben, dass mich dieses Mädchen doof von der Seite anmacht, weil ihr Freund untreu ist, wofür ich absolut nichts kann. Ich meinte dann nur zu ihr, dass sie vielleicht mal an ihrem Ton arbeiten soll und wenn sie Beziehungsprobleme hat, dann soll sie die bitte mit ihrem Freund direkt besprechen und mir deswegen nicht doof kommen. Außerdem, selbst wenn ich mich von Billy fern halten würde, dann würde er mit Sicherheit jemand anderes finden, der ihn gerne auf sein Hotelzimmer begleiten würde.
Da ich auf diese Nachricht keine Antwort mehr erhalten habe, gehe ich einmal davon aus, dass ich sie Mund-lahm gelegt habe. Billy hat übrigens nie meine Kontaktanfrage bestätigt ….

Nunja meine eigentliche Mission endlich mal ein paar Leute in dieser Stadt kennen zu lernen ist leider an diesem Wochenende fehl geschlagen. Aber dafür habe ich eine neue Geschichte zu meinen Party-Krachern hinzufügen können, die gefühlt aus einer amerikanischen Komödie stammen könnte.

2 Kommentare

  1. Noch niemanden in Stuttgart kennengelernt?

    Das ist doof. Wie lang bist du denn noch in Stuttgart?

    Ich hab es mir herausgesucht, dort mindestens 3 Jahre zu studieren… und nun lese ich so etwas..

  2. Lisa sagt

    Ich bin mittlerweile schon seit knapp drei Monaten in Stuttgart … die Schwaben sind eben sehr verschlossen

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